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Der Schnee legte sich wie eine sanfte Decke über das sonst so lebhafte Städtchen Rosenhain, und die Weihnachtsbeleuchtung tauchte die Gassen in warmes Gold. Doch zwischen all der festlichen Gemütlichkeit hing eine merkwürdige Unruhe in der Luft. Im Haus am Ende der Tannenallee, wo jedes Jahr die prachtvollste Dekoration des Viertels erstrahlte, blieb es diesmal dunkel. Nur ein einzelnes Fenster flackerte schwach, als wäre die Kerze darin kurz davor zu verlöschen. Für die junge Lehrerin Mara, die gerade vom Adventskonzert kam, war es ein Anblick, der sie mitten im Schritt stocken ließ. Neugierig trat sie näher, denn aus dem Garten hörte sie ein leises, kaum wahrnehmbares Klingeln, als würde jemand mit einer kleinen Metallkugel gegen Glas tippen. Der frische Schnee war unberührt, keine Fußspur führte zum Haus. Doch dann sah sie es: ein goldenes Geschenkband, das halb im Schnee vergraben lag und im Mondlicht schimmerte. Es wirkte, als hätte jemand es hastig verloren. Als Mara sich bückte, spürte sie ein leises Kribbeln im Nacken – ein Gefühl, beobachtet zu werden. |
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Im Inneren des Hauses roch es nach Vanille und Tannenzweigen, als wäre dort eben noch jemand gewesen. Die Tür war nur angelehnt, und im Flur brannte eine einzelne rote Kerze. Daneben lag ein kleiner Zettel, auf dem in sorgfältiger Handschrift stand: „Folge dem Klang, wenn du helfen willst.“ Maras Herz schlug schneller. Sie wollte gehen, doch irgendetwas hielt sie fest – vielleicht der Gedanke an die ältere Dame, die hier wohnte und die niemand seit gestern gesehen hatte. Sie folgte dem leisen Klingeln in das Wohnzimmer, in dem der große Weihnachtsbaum ungeschmückt stand. Unter ihm lag eine Musikspieluhr, deren Mechanismus langsam zum Stillstand kam. Als Mara sie aufhob, begann hinter ihr plötzlich etwas im Dunkeln zu rascheln. Ein Schatten löste sich vom Vorhang, und eine Stimme flüsterte: „Es wird Zeit, dass jemand die Wahrheit sieht.“ In diesem Moment begriff Mara, dass das Unheilvolle nicht von außen gekommen war – sondern die ganze Zeit schon hier, mitten in der festlichen Idylle, verborgen lag. |
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