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Der Sturm hatte die alte Berghütte über Nacht so tief in Schnee gehüllt, dass sie aussah, als sei sie seit Jahren verlassen. Doch im Inneren knisterte noch die Glut des letzten Feuers, und der Geruch von Tannennadeln hing schwer in der Luft. Am frühen Morgen brach die Stille, als die Bergwachtpatin Liora die zugeschneite Tür aufstemmte und sofort spürte, dass etwas nicht stimmte. Der Schnee im Eingangsbereich war ungleichmäßig verteilt – als hätte jemand die Hütte hastig verlassen. Draußen wirbelten Flocken in dichten Spiralen, die jedes Geräusch zu verschlucken schienen. Liora stapfte durch den frisch gefallenen Schnee, bis sie eine Reihe von Fußspuren entdeckte, die halb verweht und doch eindeutig sichtbar waren. Sie führten zum Rand des gefrorenen Sees. Dort, wo das Eis besonders dünn war, lag ein zerbrochener Holzstab, der aussah wie ein Wanderstock. Liora kniete sich hin, prüfte die Bruchstelle und spürte ein leises Frösteln, das nichts mit der Kälte zu tun hatte. |
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Zurück in der Hütte suchte sie nach einem Hinweis darauf, wem der Stock gehört haben könnte. Neben dem Kamin fand sie ein kleines Ledertagebuch, die ersten Seiten vom Feuer geschwärzt. Auf einer unversehrten Seite stand ein einziger Satz: „Wenn ich heute nicht zurück bin, folge dem Licht unter dem Eis.“ Liora schlug das Buch zu und lauschte in die Stille, die plötzlich drückend dicht wirkte. Ein fernes Knacken ließ sie aufschrecken – das Eis arbeitete. Ohne lange zu zögern, machte sie sich erneut auf den Weg zum See. Zwischen den Schneeflocken schimmerte tatsächlich etwas unter der Oberfläche, ein fahles, tanzendes Leuchten. Liora spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie wusste, dass sie vorsichtig sein musste, doch die Zeit war knapp. Mit jedem Schritt krachte das Eis leise unter ihren Stiefeln. Dann sah sie es: eine dunkle Silhouette, direkt unter ihren Füßen. Und in diesem Moment begriff sie, dass der wahre Schrecken nicht das war, was unter dem Eis wartete – sondern wer. |
Krimiserie BuchWinterkrimi |
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